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Der wahre Grund für Sophia Thiels YouTube-Aus

  • Autorenbild: Miriam Iris Kuhnle
    Miriam Iris Kuhnle
  • 10. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Sophia Thiels Geschichte ist mehr als die eines Fitness-Influencers. Es ist eine Geschichte über Frauen im Internet: wie man ihnen Anerkennung schenkt für das, was sie tun – und ihnen genau diese Anerkennung kurze Zeit später wieder entzieht, sobald sie zunehmen.

Es ist die Geschichte davon, was ständige Kritik mit einem Menschen macht. Und warum Sophia Thiel irgendwann einfach von der Bildfläche verschwand.



Sophia Thiel war die erste berühmte Bodybuilderin Deutschlands.

Mit ihren Home-Workout-Videos hat sie unzählige Frauen dazu inspiriert, Muskeln aufzubauen und mit schweren Gewichten im Gym zu trainieren – in einer Zeit, in der Fitness für Frauen noch vor allem aus Kohlsuppen-Diäten und leichte Cardio-Einheiten bestanden, um anzunehmen.


2015 fiel Sophia somit auf: Sie trainierte in Ercans Gym, stemmte mehr Gewichte als mancher Mann und dabei nahm sie ab.

Es sah aus, als mache abnehmen stark und Spaß. Sophia nahm ihre Community ungefiltert mit auf den Weg.


Doch so fit und perfekt, wie sie in den Videos wirkte, war sie längst nicht immer. Sie erzählt von Momenten, in denen sie bei Liegestützen zusammenbrach, weil die Kondition fehlte und die zehn Wiederholungen schlicht zu schwer waren.

Innerlich wurde sie immer müder.


Doch, statt Pause hieß es: Weitermachen.

Denn, das Interesse an ihr wuchs von Tag zu Tag.

Das Influencer-Dasein wird gerne belächelt – „die schlafen bis mittags, machen ein paar Fotos und verdienen trotzdem Geld“.

Bei Sophia war es anders. Sie trainierte für den perfekten Bodybuilder-Körper, doch dann brachten eigene Sportprogramme, Fotoshootings und Auftritte sie aus der Routine.

Die Folge: Gewichtszunahme. (Sie sah nicht mehr aus, wie eine Bodybuilderin, sondern wie eine sportliche junge Frau.)

Doch das Internet schrie immer Lauter: "Sophia Thiel wieder Dick?".



Der einschneidende Moment: die FIBO 2019


Nach Jahren ohne echte Pause kam 2019 der schlimmste Moment ihrer Karriere. Wie jedes Jahr fuhr sie zur FIBO, der größten Fitnessmesse Deutschlands – dem Ort, an dem Influencer „gesehen werden“ wollen, wo es um Muskelmasse und Definition geht.


Schon Jahre zuvor hatte sie gemerkt, dass ihr Essverhalten in eine destruktive Richtung abdriftete. Binge-Eating-Episoden wurden häufiger und schlimmer.

Von Januar bis März versuchte sie sich auf die Messe vorzubereiten. Doch der Körper machte nicht mehr mit: Die Diäten funktionierten nicht, sie zog Wasser, hatte keine Kraft mehr.


Sie dachte sich: Dann stehst du eben nicht in Topform. Der Inhalt bleibt der gleiche. Ich ziehe es trotzdem durch.


Doch gefühlt sprach ganz Deutschland darüber, wie sie zugenommen habe und nicht mehr so aussehe wie auf den alten Wettkampfbildern.

Kooperationspartner wollten Fotos nicht mehr verwenden. Es wurde über Vertragsstrafen gesprochen.


Sophia Thiel sagt selbst darüber: „Ich versage hier vor versammelter Mannschaft – vor meiner Community, vor meinem Management, vor den Kunden, vor meiner Familie, vor meinem Trainer.“


Sie lud ihren noch ungepackten Koffer wieder ins Auto, hatte in der Hotellobby einen Breakdown – im Anzug, ungeschminkt – und floh zurück nach München, ohne die Messe richtig betreten zu haben.



Der Versuch, schnell wieder zu funktionieren


Fans waren enttäuscht und Sophia wollte so schnell wie möglich zurück – aber nur in ihrer alten Körper-Form. Sie kaufte ein Ticket nach Los Angeles, weil sie irgendwohin wollte, wo sie niemand erkennt, und gleichzeitig möglichst rasch wieder Motivation finden.


Am Anfang der Auszeit arbeitete sie schon aufs Ende hin, forciert, damit sie wieder „funktioniert“.

Es klappte nicht.

Im zweiten Jahr ging sie in Therapie.

Die erste Frage in der ersten Therapie-Stunde: „Wie lange brauchen wir denn jetzt hier eigentlich? Wann funktioniere ich wieder? Kann ich wieder online gehen?“


Sie hatte sich früher extrem unter Druck gesetzt. Hohe Ansprüche. Die Überzeugung, dass die Leute sie nur mit Sixpack akzeptieren – nur dann sei sie ein glaubwürdiges Vorbild.

Als sie später zurückkam, sanken die Follower zwar, doch viele kehrten zurück. Da wurde ihr klar: Es lag nicht nur am Körper. Es lag auch an ihr als Mensch.



Der Grund für ihr YouTube-Aus


Doch nach dem Comeback und nach „Let’s Dance“ blieben die heiß ersehnten Workout-Videos von Sophia aus.

Warum macht Sophia Thiel kein YouTube mehr?

Während Let's Dance trainierte sie 10 Stunden am Tag, hatte kaum freie Tage.

Danach fiel sie wieder in ein Loch.


Was sie heute hemmt, wieder Bodyweight-Workouts oder sich selbst als Fitnesstrainerin zu positionieren, ist das Gefühl, dem Begriff nicht mehr gerecht zu werden. Sie fühlt sich in diesem Bereich unwohl – weil sie glaubt, dass es in der Öffentlichkeit so nicht funktioniert.





Zu den Quellen aus diesem Artikel:


Die Kanäle von Sophia Thiel:


Laura Malina Seiler

Warum dein Selbstwert nichts mit Leistung oder Aussehen zu tun hat – Interview mit Sophia Thiel


deep und deutlich

"Ich teile keine Workouts mehr, weil..." | Sophia Thiel im Talk


OMR

Sophia Thiel: Influencer! Höhen, Tiefen und Widersprüche.


OMR

Funktioniert Purpose im Influencer-Business? - Louisa Dellert, Sophia Thiel & Diana Thyselius


Sophia Thiel

Warum ich so lange keine Homeworkouts hochgeladen habe… | Sophia Thiel


Fitness Diaries

Fitness Diaries | Folge 1 | Ganze Folge | sixx


Fitness Diaries

Sophia Thiel und der Shitstorm | Sophia Thiel | Staffel 2 | Fitness Diaries




Artikel geschrieben von Miriam Kuhnle

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